“Tell me those three little words….”

Es ist Freitag, 01:09 Uhr und ich sitze bei Schloss Solitude, es hat 17° und ich schreibe diesen Text. In den letzten Tagen habe ich wieder schlecht geschlafen. Ich bin durcheinander, merke selbst, dass ich neben mir stehe. Es ist wegen vielem. Die anstehenden Veränderungen, meine Krebsdiagnose, der Umzug nach Hamburg, was ich später mal machen werde, aber auch Du. Wahrscheinlich nur Du. Keine Ahnung wieso ich dich jetzt in diesem Text anspreche, ich weiß nicht mal, ob du das liest. Wahrscheinlich nicht…


Mittlerweile ist es drei Monate her, dass wir uns gesehen haben, seit zwei Monaten redest du nicht mehr mit mir. Ich wollte dich längst ausblenden, vergessen — irgendwas in die Richtung. Immer wenn ich glaubte, es endlich geschafft zu haben, ist etwas passiert und zack warst du wieder in meinem Kopf. Ich war verknallt in dich. Sehr sogar. Ich habe einen Song gecovert, den du nie gehört hast. 1257 Wörter über dich und uns geschrieben, und wie wir uns kennen gelernt haben — ich musste sie dir unter die Nase halten, damit du sie liest. “Schön geschrieben” hast du gesagt. Schlussendlich habe ich ein Modelabel für dich hochgezogen, wollte dich beeindrucken, habe alles für dich gegeben, jeden Tag diese scheiße hier durchgestanden. Du hast mich motiviert, angetrieben und bist immer hinter mir gestanden. Wenn ich darüber nachdenke, hatte ich eigentlich alles, um glücklich zu sein. Nur wohnst du 316km weg und ich hatte keine Sicherheit, dass das erst mal so bleibt, weil es keine Beziehung im eigentlichen Sinn war.


Es hat sich so gut angefühlt, dass du da bist. Auch wenn du in einem kleinen Kaff in Bayern wohnst, das wahrscheinlich allen Leuten in Deutschland bekannt ist, alle Züge aber mit Diesel fahren, weil ihr keine Oberleitungen habt. Du hast mich verstanden, mich ernst genommen und mir zugehört in einer Weise, die ich sonst noch nie von einem Menschen erlebt habe. Für dich war das ganz selbstverständlich.


Nach der Sache mit S. war ich lange Zeit sehr depressiv, habe niemanden an mich ran gelassen und mein Selbstvertrauen und das Vertrauen in andere Menschen war komplett weg. Ich weiß nicht was los war, ich war zum Arschloch mutiert. In den letzten zwei Jahren hat sich dieses Verhalten so gefestigt, dass ich es nur schwer wieder weg bekomme.

Für dich wollte ich mich bessern

Die Art, wie du mit mir umgegangen bist, war besonders für mich. Ich habe deinen Wert nicht erkannt und es plötzlich für ganz selbstverständlich gehalten, dass du da bist. Ein folgenschwerer Fehler, der mich jeden Tag seit dem zermürbt hat und es noch immer tut.


Jeden Tag hast du mich motiviert allein nur damit dass du da warst. Es gab Tage an denen ich gut gelaunt und fröhlich zur Schule gegangen bin, weil ich wusste, dass ich abends mit dir rede — mit dir konnte ich alles schaffen. Du warst die Pflanze in meinem Stein, ich war dein Superheld.

Giving back

So schön wie es war — und ich erinnere mich gern daran — ich wollte dir irgendwas zurückgeben. Ich wollte dir zeigen, was ich so mache. Mit Jason und den Jungs auf der anderen Seite des Teichs. Im April in den Ferien wollte ich mit dir zwei Wochen unterwegs sein, du dachtest, das sei eine Verarsche — ich habe alles dafür gegeben, das, was ich gespart hatte investiert in drei Tage San Francisco und den Rest in New York, um dir den Traum, mal in Amerika zu sein, zu erfüllen. Irgendwie fühlte sich das immer noch nicht nach genug an. Das Songcover hast du nicht gehört, also wollte ich dir zeigen, wie es live ist.


Das sind materielle Dinge, ich weiß. Du magst das nicht so…ich wusste jedoch nicht wie ich es sonst hätte schön machen können, dass du dich freust. Empathie ist schwierig für mich….ich hätte dir gerne das gegeben, was du mir gegeben hast, aber ich weiß nicht wie ich das tun soll damit es richtig bei dir ankommt.

Doch es sollte nie passieren…

Wir haben gestritten, wegen etwas, das einfach total schief gelaufen ist. Du hattest kein Vertrauen mehr in mich, hast mir nichts mehr geglaubt. Das ist dein gutes Recht, ich glaube dass das der Anfang vom Ende war. Und das Ende ist echt mies.


Ich habe viel versucht, es wieder gut zu machen. Habe lange überlegt, wie ich dir das klar mache — C. hat es dir klar gemacht, ich hab es dir gesagt — glauben musst du es selbst. Wenn du tief in dich gehst, was denkst du? Würde ich dich ausnutzen oder in so einer Art und Weise kränken (abgesehen von dem was du durchlebt hast und auch wenn wir es einbeziehen?)?

Schau in mich dich.

Wenn ich über dich nachdenke, wäre meine Antwort nach ein paar Minuten Nein. Keine Ahnung, ob ich geblendet bin, weil ich dich liebe, oder ob das objektiv so ist. Ich kann nur über das urteilen, was ich selbst mit dir erlebt habe. Wie du mit deiner Umwelt umgehst, mit den Menschen und Dingen.


Deine Freunde haben mir gesagt, was du getan hast. Weil sie selbst nicht damit leben wollten, mir diese Lüge weiter vorzuspielen. Unsicherheit hat sich in mir ausgebreitet: War alles gespielt, alles eine Lüge? Ich kann das nicht glauben, ehrlich gesagt will ich das auch nicht, das würde mich nur noch mehr kaputt machen…


Habe ich dich bedrängt, so zu handeln? Musstest du das tun, damit ich zufrieden bin? Ich weiß es nicht. Manche sagen über mich, dass ich sehr einnehmend bin, hin und wieder Leuten zu Nahe komme. Könnte hin und wieder stimmen, ich weiß nicht, wieso das immer und immer wieder passiert…das stresst mich, weil es immer dazu führt, dass Freundschaften kaputt gehen. Scheinbar kann ich es nicht ändern.


Vielleicht hast du wirklich nur meine Gutmütigkeit und meine hilfsbereite Art ausgenutzt, die ich dir gegenüber gezeigt habe — die zeige ich wenigen, weil ich immer wieder dadurch ausgenutzt werde. Bei dir hat es sich anders angefühlt, echter, realer, besser.


Nach zwei Jahren habe ich wieder einen Menschen an mich ran gelassen und jetzt sitze ich hier — mittlerweile ist es 05:02 Uhr -, bin traurig, ratlos und ziemlich schlecht gelaunt. Ich esse sehr wenig, bin nicht bei der Sache, kann mich nicht konzentrieren, weil wir im Streit auseinander gegangen sind und ich das Gefühl habe, dass du mich hasst. Hasst du mich? Fühlst du etwas für mich? Bedeute ich dir etwas? Habe ich dir überhaupt jemals etwas bedeutet? Was ist mit den Stunden, in denen wir facetimed haben, gelacht, überlegt, zusammen an unserem Projekt gearbeitet, den anderen auf die Prüfung vorbereitet haben und so weiter…. war das alles fake? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich muss die Wahrheit finden….

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